Bern, unterhalb der Mattentreppe

Der Steg der Matte

Holzsteg über grünes Wasser

Achtunddreissig Meter Lärche, von der Matte hinüber zum Gras beim Bad. Die Bohlen sind 2019 neu gekommen, nachdem das Hochwasser ein Jahr zuvor zwei Felder angehoben hatte. Der Steg trägt Fussgänger. Velos bleiben oben an der Treppe, der Abstand der Bohlen ist dafür zu eng und bei Nässe rutschig.

Im Sommer ist er der kurze Weg zum Marzili. Man hört die Aare, bevor man sie sieht: unten an der Treppe ist es kühler als auf der Münsterplattform, und das Wasser zieht grün und schnell. Wer stehen bleibt, schaut meist flussab. Das Münster liegt hinter der Schulter, wenn man sich umdreht.

Was vom Steg aus zu sehen ist

Mitten auf den Bohlen ist das Wasser am tiefsten und am lautesten. Im Februar, bei Niedrigwasser, kommen die Steine am linken Ufer heraus. Im Juli ist alles gedeckt, und die Schwimmer ziehen unter dem Steg durch, schneller als man denkt. Springen ist hier keine gute Idee: die Strömung nimmt einen mit, und die Bohlen sind kein Sprungturm.

Reto Klötzli aus der Matte geht montags die Nägel nach. Er ist kein städtischer Angestellter, er wohnt einfach am nächsten. Eine lose Bohle meldet er der Brückenwerkstatt, vorher nagelt er sie provisorisch fest und hängt ein rotes Band daran. Letzten Mai war es eine einzige, am geländerlosen Rand.

Für Leute, die herunterkommen

Hunde an der kurzen Leine, das Geländer ist niedrig. Nach Regen die Mitte nehmen, dort trocknet das Holz zuerst. Abends im August liegt die Sonne lange auf den Bohlen, sie sind dann warm und ein bisschen harzig. Ein Kiosk steht hier nicht. Wer trinken will, ist zwei Minuten weiter beim Bad.

Ich habe im August zwanzig Minuten gesessen, die Bohlen waren warm, unter mir sind drei Schwimmer durch, keiner hat hochgeschaut. Anna, Basel.